direkter Scherversuch
Bestimmung der Scherfestigkeit eines Bodens entlang einer vorgegebenen Scherfläche.
Der direkte Scherversuch ist ein geotechnischer Laborversuch zur Bestimmung der Scherfestigkeit von Böden. Dabei wird eine Bodenprobe in einem Scherkasten unter einer vorgegebenen Normalspannung belastet und entlang einer definierten Scherfläche abgeschert. Während des Versuchs werden Scherkraft, Scherweg beziehungsweise Höhenänderung erfasst.
Je nach Versuchsführung wird die Probe vor der Scherung konsolidiert und die Scherung drainiert oder unter weitgehend undrainierten Bedingungen durchgeführt. In der Praxis werden hierfür teilweise die Bezeichnungen C-D (konsolidiert-drainiert), C-U (konsolidiert-undrainiert) und U-U (unkonsolidiert-undrainiert) verwendet.
Aus Versuchen mit unterschiedlichen Normalspannungen können Scherfestigkeitsparameter bestimmt werden. Bei konsolidiert-drainierter Versuchsführung lassen sich die effektiven Scherfestigkeitsparameter, der Winkel der inneren Reibung φ' und die effektive Kohäsion c' ableiten. Je nach Boden und Versuchsführung können zudem die maximale Scherfestigkeit sowie die Restscherfestigkeit untersucht werden.
Die EN ISO 17892-10 beschreibt direkte Scherversuche zur Bestimmung der effektiven Scherfestigkeit unter konsolidiert-drainierten Bedingungen. Sie umfasst Prüfungen im Rahmenschergerät sowie im Ringschergerät. C-U- und U-U-Versuchsführungen sind deshalb gesondert festzulegen und auszuwerten. Ihre Aussagekraft hängt insbesondere vom Sättigungszustand der Probe, der Drainageanordnung, der Scherrate und einer allfälligen Porenwasserdruckmessung ab.
LGT Geolab AG führt direkte Scherversuche an ungestörten, gestörten oder wiederverdichteten Bodenproben durch. Die Ergebnisse dienen unter anderem der Beurteilung von Böschungen, Baugruben, Dämmen, Gründungen und anderen geotechnischen Bauwerken.
Begriffe im Zusammenhang:
Winkel der inneren Reibung (φ'); Ödometerversuch; Proctorversuch; Triaxialversuch; Konsistenzgrenzen